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Gallizismen im Deutschen

3 Kommentare

„Ein Gallizismus ist eine aus dem Französischen übernommene Spracheigenheit, meistens ein Wort, aber manchmal auch ganze Sätze und Wendungen. Die Entlehnungen aus dem Französischen sind im Deutschen nach den Latinismen die zweitgrößte Gruppe; sie haben den deutschen Wortschatz in erheblichem Maße beeinflusst“, erzählt Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Gallizismus).

Sehr viele französische Worte wurden im 18. und 19. Jahrhundert in der deutschen Literatur verwendet. Ich möchte hier ein sehr schönes Buch zitieren: es heißt „Effi Briest“ und ist von Theodor Fontane vor 110 Jahren geschrieben worden. Aber Ihr alle kennt es sicherlich! Ich habe mich amüsiert (sic!), die Gallizismen anzuzeigen.

Also: die gnädige Frau macht Toilette (sie benutzt den Rafraichisseur), um schön bei ihrem Erscheinen an der Table d’hôte in einem Ressourcen-Hotel zu sein. Aber es geht mit der Saison auf die Neige: die Markise ist zwar aufgezogen, doch sieht man auch die heruntergelassenen Rouleaus. Sie promeniert am Strande, sie verabredet ein Rendezvous. Ihr Galan ist im Bann ihres Charmes; sie hat einen guten Fond, sie ist keine Kokette. Wenn sie Einkäufe macht, muß dies immer was ganz Apartes sein, was von einem ausgesprochenen Chic. Die Fauteuils, die Chaiselongues sind komfortabel, um die Honneurs des Hauses zu machen. Aber die ganze erste Etage steht da leer – da gibt’s den Spuk! Er hat einen fahlen Teint

Die gnädigen Herren sind manchmal von ausgesprochener Bonhommie und jovial. Crampas ist ein guter Causeur, er kann eine Malice ins Ohr flüstern. Er ist rücksichtslos im Punkte chevaleresker Liebesabenteuer. Er hat ein Talent, die arme Frau zu eskamotieren. Vetter Dagobert hat nicht bloß den Gardepli, er kennt eine gewisse Form des Courmachens. Innstetten nimmt die Tête bei der Schlittenpartie. Leider steht Haus Innstetten auf dem Aussterbeetat.

Beim Essen ist es am französischsten: Golschowski vom an der Chaussee gelegenen Gasthaus richtet ein vorzügliches Dejeuner mit ausgezeichnetem Dessert (man spricht auch vom Embonpoint…). Der Oberförster füllt die Gläser in virtuosem Bogensturz: Einschenken en cascade.

 

Doktor Rummschüttel spricht von seinem Metier und hört der Terrassierung des Kreuzbergs zu… Man redet von den Mesquinerien, vom Cortege, Couvert, Coupé, Portiere, Gesangspiecen, Bagatellen, Kanaillen et cetera, et cetera…
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Aber viele Gallizismen sind heute von den Deutschen vergessen… Ich möchte wissen, ob Ihr das alles versteht! Fontane spricht oft von einer Blume in den Dünen vom Ostsee: Immortelles. Neulich in einem deutschen Blumenladen fragte ich nach dieser Blume, aber die Dame wußte nicht, was das ist. Wenn ich es ihr gezeigt habe, hatte sie gesagt: „Ach, die Strohblumen!“… 

Danke an Beau für diesen tollen Beitrag zu diesem Blog. In diesem Blog findet ihr auch einen Beitrag von Beau zum Thema Anglizismen im Französischen

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3 Kommentare bisher ↓

  • 1 Tina // 8. Juli 2010 at 18:40

    Find den Beitrag super interessant, da ich mich zurzeit mit der anderen Seite, Germanismen im Französischen, beschäftige. Hätte eine Frage…kann mir jemand die Seitenzahl angeben, auf der sich der erste Abschnitt (die gnädige Frau machte Toilette…hat einen fahlen Teint) befindet. Hab Effi Briest zwar schon mal gelesen, aber kann diesen Abschnitt leider nicht wiederfinden.
    Wär super!
    lg Tina

  • 2 Beau // 9. Juli 2010 at 21:15

    Liebe Tina, ich danke Dir. (Darf ich Dich, bitte, fragen:
    hast Du alle Germanismen in meinem Beitrag „Die Germanismen im Französischen“ gefunden?).

    In Fontanes „Effi Briest“ gibt es einen Haufen Gallizismen!
    Ich habe nur so lesend einige aufgeschrieben und könnte Dir
    nicht sagen in welchen Kapiteln.
    Hier kannst Du im Dritten Kapitel die folgenden Gallizismen finden:

    http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=677&kapitel=3&cHash=1ecf5eab922#gb_found

    „der joviale Brautvater“
    „einen kleinen frivolen Zug hatte“
    „das allgemeine Familien-Du zu proponieren“
    „intimere Namen“
    „formuliere deine Toaste“
    „ein bisschen genant“
    „Pardon, Innstetten“
    „weiterperorierte“
    „in der Korrespondenz“
    „der Trousseau“
    „Mesquinerien“
    „Erscheinen an der Table d’hôte“
    „junger Leutnant“
    „programmäßig“
    „Nationalgalerie“
    „Cousine“
    „chaperonnieren“
    „Differenzen“
    „kritisch“
    „Interesse“
    „das Eleganteste“
    „was ganz Apartes“

  • 3 Tina // 11. Juli 2010 at 14:27

    Hallo!

    ich beschäftige mich gerade ganz allgemein mit Germanismen im Französischen und deswegen fand ich deinen Beitrag sehr interessant…die andere Seite…Gallizismen im Deutschen…
    da werd ich mir das dritte Kapitel mal durchlesen…super!!
    vielen vielen Dank!

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